{"id":463,"date":"2012-09-25T16:27:53","date_gmt":"2012-09-25T14:27:53","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=463"},"modified":"2013-04-10T19:35:11","modified_gmt":"2013-04-10T17:35:11","slug":"23-september-2012-jikji-hanji-und-omyja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=463","title":{"rendered":"23. September 2012: Jikji, Hanji und Omyja"},"content":{"rendered":"<p>Sonntag. Unser letzter Tag in Korea. Die vergangenen zwei Wochen kommen uns in ihrer Dichte von Begegnungen und Erlebnissen wie mehrere Ewigkeiten vor. Heute also unser letzter Arbeitstag. Vom Morgen an lastet, dass wir abends un 6 unsere Box versandbereit geladen haben sollten. Das Festival dauert bis 5. Der Bleitopf braucht3 Stunden zum Abk\u00fchlen.<br \/>\nSonntag. Ruhetag. Auch in Korea. Unser Dolmetscher erz\u00e4hlt uns: l\u00e4nger schlafen, in der Familie gem\u00fctlich zm\u00f6rgele, dann ein Familienausflug. Fast wie bei uns. Weshalb den Familienausflug also nicht zum Jikji-Festval ? Mit Pop-Konzert. Uns sie kamen noch einmal. Und alle woolten noch eine Kobugi-Letter, als h\u00e4tten sie geh\u00f6rt, dass heute die letzte Gelegenheit sei. Und den Jikji-Druck. Oder lieber gleich zwei. Wir gossen und druckten wie die Verr\u00fcckten. Bis am Mittag. Dann wollten wir mit dem &#8218;gestaffelt geordneten R\u00fcckzug&#8216; beginnen. Was nicht ging. Immer noch materielle Begehrlichkeiten. Ein Mann ist mir sogar hinter die Abschrankung gestiegen und hat die Letterns\u00e4tze, die ich als letzte Geschenke f\u00fcr das Abschiedsbankett mit dem Festivaloberdirektor bereitet hatte, gepl\u00fcndert. Nun, wir haben auch koreanische Lettern und Holzdrucke erbettelt.<br \/>\nUm 15 Uhr war dann definitiv Schluss. Plache am einen Zelt runter, Hans-Uelis Prachteinb\u00e4nde gepolstert gepackt (die kommen ins Handgep\u00e4ck; wir hatten zuviele Schauergeschichten von verlorenem Gep\u00e4ck geh\u00f6rt), Bleitiegel abgestellt. Und dann die hunderttausend Teile wieder eingepolstert. Und dann mit dem F\u00fcllen der Box begonnen. Sch\u00f6n von unten. Alles ging perfekt rein. Das restliche Blei, die Druckfarbe und das wenige \u00fcbrige Papier lassen wir zur\u00fcck. Und den Babypuder . . . Verteilt sind auch einige hundert Tourismus- und Werbeprospekte.<br \/>\nDas Bankett ist auf 20 Uhr angesetzt.<br \/>\nGiessermeister Lim schaut einige Male etwas ungl\u00e4ubig vorbei. Dass das alles in diese Box ging. Und dass wir selber Hand angelegt hatten. Und sogar die schwere Presse selber hineingehoben. Er scheint ganz vergessen zu haben, dass wir kein Koreanisch k\u00f6nnen, so selbstverst\u00e4ndlich spricht er mit uns. Koreanisch.<br \/>\nDann hiess es pl\u00f6tzlich, wir w\u00fcrden um 18 Uhr noch zu ihm fahren, wir seien zur Werkstattbesichtigung eingeladen. Es liege etwa 1 Stunde ausserhalb. Wir arbeiten noch schneller. Der helvetische Grind rechnet in der Zwischenzeit: 18 bis 20 Uhr minus 2 x 1 Stunde Fahrzeit (in der Zwischenzeit kennen wir koreanische Zeitangaben): das gibt etwa minus 20 Minuten f\u00fcr die Werstattbesichtigung. Um 18.04 ist die letzte Schraube eingedreht. Der versprochene Gabelstapler kam nicht. Daf\u00fcr der Festivaloberchef. Hans-Uelinoch beim H\u00e4ndewaschen. Der Oberchef beginnt und dankt uns f\u00fcr alles. Und als Zeichen des Danks \u00fcberreicht er uns zwei Faksile-Exemplare des Jikji-Buches in pr\u00e4chtiger Brokatkasetten. Und bittet uns, das \u00e4lteste datierte mit Lettrrn gedruckte Buch auch in der Schweiz bekannt zu machen. Dazu legt er auch gleich Plakate und einen Ehrenschal bei. Wir sind aufs tiefste ger\u00fchrt. Die \u00dcbergabe von Jikji-Faksimile ist sonst eher etwas f\u00fcr politische Staatsg\u00e4ste.<br \/>\nUnd dann folgten noch zwei der 1377 Laternen.<br \/>\nUnd dann durften wir sogar noch dem Kurator Lee (von den oberen Museumsleuten hatten wir sonst die Woche durch eher wenig gesehen) zum zweiten Mal unser Kristall-Jikji-Buch f\u00fcr das Museum \u00fcbergeben. Und er durfte es f\u00fcr das Erinnerungsfoto halten. Hoffentlich ist die Welt jetzt in Ordnung.<\/p>\n<p>Und dann hiess es, das Bankett sei gecancelt. Wir w\u00fcrden zu Meister Lim fahren. W\u00e4hrend der 80-min\u00fctigen schnellen Fahrt regelte er alles mit 2 Dutzend Handy-Anrufen. Und dann entschuldigt er sich, in seinem Dorf gebe es nur ein Restaurant. Und da nur gegrillter Schweinebauch. Mit Bombe. Was es alles gab, diesmal sogar auf Kohle gebrutzelt. Nur mein Magen fand, das sei nicht gerade das geeignete Fastenbrechen nach den vorn\u00e4chtlichen Eskapaden. Und dann fuhren wir in Mister Lims Werkstatt. Ein chaotisches Handwerkerparadies, wo er seine Bronze-Lettern giesst. Die mit Holzmodel, diee wir schon kennen. Und dann noch welche im verlorenen Guss. 50 chinesische Zeichen schafft er pro Tag, in Wachs zu schneiden. Am Giessbaum sind hundert dran. Am unh\u00fcllenden Lehm der Form t\u00fcftelte er 10 Jahre lang. Den Brennofen f\u00fcr die Tongiessformen beheizt er nur mit Holz. Und schafft da dank spezieller Luftf\u00fchrung Temperaturen von 1300 Grad. 8 Stunden lang. Wir staunen und staunen. Und werden wieder kommen. Dann aber nicht am letzten Abend.<br \/>\nDann melde ich unser Bed\u00fcrfnis ims Hotel an. Wir m\u00fcssen ja noch packen und morgen fr\u00fch raus.<br \/>\nWir steigen also ins Auto, fahren grad einen Kilometer weit, dann steil den H\u00fcgel hoch. Hundegebell, zwei H\u00e4user mit gerundeten traditionellen D\u00e4chern. Es ist Meisters Ans Paradies. Der Hanji-Papiermacher. Hanji ist der seit Jahrtausenden bew\u00e4hrte Maulbeerbaum, aus dessen Bastfasern dieses hauchd\u00fcnne z\u00e4he Papier gefertigt wird. Und dann sind wir drin im Papierschlaraffenland. Stapel voll wunderpr\u00e4chtig gef\u00e4rbtem hauchd\u00fcnnem Papier, einiges davon mit Reliefs drauf, die aus einem Reisbrei aufgebacken werden. Quasi zweidimensionales Popcorn, mit traumhaften Mustern. Und Kleider. Und Gestricktes aus Papierschn\u00fcren. Und M\u00f6bel. Und K\u00f6rbe. Sogar wasserfeste Schalen aus Hanji-Schn\u00fcren. Und dann noch schnell in seine Plantage mit 300&#8217;000 Str\u00e4uchern. Im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr sollen Wurzeln davon in die Schweiz kommen; vielleicht gedeiht diese verr\u00fcckte Pflanze auch hier. Wir suchen noch einen geeigneten warmen Garten (=w\u00e4rmer als V\u00e4ttis).<\/p>\n<p>Und dann war da noch die Direktorin des Schnapsmuseums. Sie ist extra hierhergekommen, mit zwei gek\u00fchlten Flaschen ihres Omyja-Weines, eines traditionellen Fr\u00fcchte-, Beeren- und Kr\u00e4uterweines und -champagners. In der Koreanischen K\u00fcche sollen 5 Geschm\u00e4cker vertreten sein: S\u00fcss, salzig, sauer, scharf und bitter. So auch in ihrem Wein. 30 Jahre hat sie an der Rezeptur get\u00fcftelt. Weil aber nur Pappbecher f\u00fcr alle und keine Gl\u00e4ser da waren, steckte sie uns die zwei Flaschen kurzerhand zu, f\u00fcr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Und dann ab ins Hotel, wo wir nach Mitternacht eintrafen und von einem Riesenhundertf\u00fcssler im Lift begr\u00fcsst wurden. Und dann schnell (= 1 1\/2 Stunden) \u00a0Koffer gepackt, all unsere hundert Preziosen fein in die vier Koffer sortiert, nach Gewicht und Gefahrenverlustpotential verteilt. Der Omyja-Champagner fand beim besten Willen keinen Platz mehr. So haben wir ihn in unseren B\u00e4uchen f\u00fcr den Flug vorbereitet, ohne Gewichtslimite. Eigenartig, ein salzig-scharfer- und vor allem bitterer Champagner. Eigenartig wie vieles in den vergangenen zwei Wochen. Exotisch. Fremd. Und doch in so vielem vertraut. Freundschaftlich. Herzlich. Zuvorkommend.<\/p>\n<p>Und dann blitzschnell und hochkonzentriert schlafen gehen. Es bleiben vier Stunden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190353.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190353.jpg\" alt=\"20120925-190353.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190410.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190410.jpg\" alt=\"20120925-190410.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190436.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190436.jpg\" alt=\"20120925-190436.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190453.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190453.jpg\" alt=\"20120925-190453.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190543.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190543.jpg\" alt=\"20120925-190543.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190600.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190600.jpg\" alt=\"20120925-190600.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190622.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190622.jpg\" alt=\"20120925-190622.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190637.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190637.jpg\" alt=\"20120925-190637.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190704.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190704.jpg\" alt=\"20120925-190704.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190808.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120925-190808.jpg\" alt=\"20120925-190808.jpg\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag. 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