{"id":442,"date":"2012-09-24T00:32:20","date_gmt":"2012-09-23T22:32:20","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=442"},"modified":"2013-04-10T19:35:28","modified_gmt":"2013-04-10T17:35:28","slug":"22-september-2012-white-snow-und-theoksal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=442","title":{"rendered":"22. September 2012: White Snow und Theoksal"},"content":{"rendered":"<p>Der heutige Blog kommt etwas sp\u00e4ter. Denn:<br \/>\nDie Finger waren schon fast auf der Tastatur, um zu schreiben, dass unsere Aventure Jikji sich langsam dem Ende na\u00e4hert und dass wir bislang von aller Reiseunbill wie verlorene Koffer, falsch gew\u00e4hlte Metro-Richtung und Fahrt ins (koreanisch angeschriebene) Nirgendwo oder Lebensmittelunvertr\u00e4glichkeit und Darmgrimmen verschont geblieben wurden.<\/p>\n<p>Doch so frevlerisch \u00fcberhebliche Gedanken werden subito abgestraft.<\/p>\n<p>Denn es kam ganz anders.<\/p>\n<p>Ich (Stephan) versp\u00fcrte schon am Nachmittag bei schw\u00fcl-heissem Wetter ein saures Aufstossen. Na ja, vielleicht waren die Glasnudel-Wurst-H\u00e4ppchen am Mittag schuld. Oder eine Bombe zuviel. Das Grimmen wurde beim ausgezeichneten koreanischen Nachtessen (siehe unten) immer schlimmer. Die 6 Km lange R\u00fcckfahrt ins Hotel eine einzige Konzentrations\u00fcbung auf den k\u00fchlen Fahrtwind und ein Non-Stop-Stossgebet &#8218;Lass mich durchhalten&#8216;. Was grad noch bis ins Hotelzimmer ging. Dann kam es. Ganz anders. Nur zu den Ohren kam nichts raus. Das heraklitsche &#8218;Panta rhei&#8216; \/ &#8218;Alles ist in Fluss&#8216; in ganz neuer Lesart. Nur etwas floss nicht. N\u00e4mlich das sanit\u00e4re Teil, dessen Name eben seine eigentliche Funktion bezeichnet sollte: der Abfluss. Armer Zimmerservice. Und armer Sanitar: er hat die zwei dicken Abflussrohre von Toilette und Lavabo zusammen auf ein d\u00fcnnes, aufw\u00e4rtsgekr\u00fcmmtes Abflussrohr gef\u00fchrt. Das kann nicht gut gehen. Das schwierigste an der ganzen Nacht-\u00dcbung wae \u00fcbrigens, den Fr\u00fchst\u00fcckskellner zu \u00fcberzeugen, dass ich wirklich nur eine Cola und einen Tsa, den dunkelsten Gr\u00fcntee (Schwarztee gibt&#8217;s hier sowieso keinen), haben will. Wird schon wieder. <\/p>\n<p>Doch wenden wir uns den sch\u00f6nen Seiten des Lebens zu.<\/p>\n<p>Der Samstag war wirklich Familientag. Anders als sonst war der Morgen noch ruhiger, daf\u00fcr str\u00f6mten die sehr zahlreichen Menschen dann den ganzen restlichen Tag durchs Festival, auch an unseren Stand. Wir hatten zum Teil etwas mehr Zeit f\u00fcr kurze Gesprache. Unter anderem mit einem Journalisten von Jesong Post. Jesong ist die Stadt, die etwas weiter s\u00fcdlich von Cheongju entstehen soll, eine reine Regierungsverwaltungsstadt, weil es in Seoul keinen Platz f\u00fcr die Vergr\u00f6sserung der Staatsverwaltung mehr gibt. Eine Tageszeitung hat Jesong also schon. In der Dienstagsausgabe wird ein Artikel \u00fcber uns erscheinen. Und etwas spater hat der Herr uns 1 Kilo feinster Marroni, die sein Bruder anbaut, gebracht. Leider haben wir in unserem Reiseprogramm keine Zeit zum Marronibraten eingeplant und unser \u00dcbersetzer nahm sie gl\u00fccklich mit nach Hause. Und dann kamen noch zwei Herren zu uns an den Stand. Waren perlex und v\u00f6llig aus den Socken, weil sie im Vorfeld nichts von uns geh\u00f6rt hatten. Und dank eines Youtube-Filmchens auf dem Handy verstanden wir sofort, dass das unsere koreanischen Berufskollegen sind, die als letzte eine Druckerei betreiben, allerdings mit chinesischem und koreanischen Bleisatz. Das ist dann noch eine andere Sache als wir mit unseren paar mikrigen Buchst\u00e4belchen.  Giessen tun sie die tausenden (genau 2350) von koreanischen Silbenkombinationen auch selber. Sie verliessen dann den Stand und versprachen zur\u00fcckzukommen. Was sie bald auch taten. Zwei wohltuend Verr\u00fcckte, der Chef und sein Angestellter: sie \u00fcberreichten uns einen hochgediegenen Gedichtband in Kassette, auf koreanisches Papier gedruckt, schlichteste Typorgrafie, viel Nichts um den Satz herum. Und dann \u00fcberreichten sie uns noch eine selber gravierte und gegossene grosse Letter. Darauf ist in 104 mikrokleinen koreanischen Buchstaben die ganze koreanische Nationalhymne. Die Giessform dazu haben sie selber graviert. Nach langem und herzlichem Gespr\u00e4ch unter Berufskollegen war es selbstverst\u00e4ndlich, dass sie uns zum Nachtessen einluden. Doch davor hatten wir noch einige hundert Familien am Stand zu &#8222;absolvieren&#8220;. Alle interessiert, fr\u00f6hlich, wohltuend. Ein kleiner Junge (siehe Bild) brachte uns als Dankesch\u00f6n f\u00fcr eine Schildkr\u00f6tchen-Letter drei Packlein seiner b\u00e4renformigen Madeleine-Bisquits &#8218;Sous le ciel de Paris&#8216;. <\/p>\n<p>Beim Vier-Uhr-P\u00e4uschen erfuhren wir per excus\u00e9 den wirklichen Grund der Zoll-Scherereien. Nein, nicht Kleider, nicht Papier. Weisses Pulver. Ah, der Puder, damit man sich die H\u00e4nde voll Druckertinte kurz abpudern kann, bevor man Papier greift. Und die unendlich hohen Zollgeb\u00fchren wahrscheinlich nichts anderes als die Laboranalysekosten. Resultat null. Reiner Johnsons Baby Powder. In jedem koreanischen Laden erh\u00e4ltlich. <\/p>\n<p>Und dann war der heiss-feuchte Tag vor\u00fcber. Die Handwerkmeister sassen mit uns noch eine Feierabendrunde zusammen. Eine Frau brachte Kaffee. Und der Giessmeister f\u00fcr jeden von uns einen wunderpr\u00e4chtigen Giessbaum mit echt koreanischen Lettern. Und der Buchbindemeister seine &#8222;Guetzlipress-Form&#8220;, weil ich einmal nach einer solchen gefragt habe, wo die zu kaufen w\u00e4re. Eine echte Theoksal. Und es die nur in Seoul auf einem bestimmten Markt gibt. Und wir da nicht mehr hinkommen. In V\u00e4ttis wird es also dieses Jahr koreanische Reismehl-Honig-Guetzli und Z\u00fcri-Leckerli mit koreanischen Reliefmustern geben. Auf einem Modell steht das Zeichen fur Gl\u00fcck. In Korea isst man das Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Und dann schnell auf zu diesem Luxusrestaurant. Die G\u00e4ste sind da jeweils in einem abgetrennten R\u00e4umlein. Und aus verst\u00e4ndnisvollem Mitleid hat man f\u00fcr uns das R\u00e4umlein ausgew\u00e4hlt, wo es unter dem Tisch eine Absenkung gab, so dass man zwar am Boden sass, und gleichwohl europ\u00e4sch sitzen konnte. Und dann wurde aufgetischt. Und wie.<\/p>\n<p>Und \u00fcber die Drucker- und Verlegerkunst philosophiert. Herrlich. Wohltuend. Die Grundprobleme und Herausforderungen eines solchen Betriebes scheinen in Korea und der Schweiz erstauntlich \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Und den restlichen Verlauf des Abends und der Nacht kennt ihr ja schon.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072715.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072715.jpg\" alt=\"20120924-072715.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072811.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072811.jpg\" alt=\"20120924-072811.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072904.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072904.jpg\" alt=\"20120924-072904.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072924.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-072924.jpg\" alt=\"20120924-072924.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-073009.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-073009.jpg\" alt=\"20120924-073009.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-073033.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120924-073033.jpg\" alt=\"20120924-073033.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heutige Blog kommt etwas sp\u00e4ter. 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