{"id":386,"date":"2012-09-21T15:55:42","date_gmt":"2012-09-21T13:55:42","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=386"},"modified":"2013-04-10T19:35:57","modified_gmt":"2013-04-10T17:35:57","slug":"20-september-2012-maani-manii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=386","title":{"rendered":"20. September 2012: Maani manii"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte es heute ein ruhiger Tag sein. Donnerstag. Viele Schulkinder. Kein Interview, kein Fernsehen vorgesehen.<\/p>\n<p>Sollte. In Wundert\u00fctenland kommt es immer anders. Wenigstens das haben wir langsam gelernt.<\/p>\n<p>Also, am Morgen (und das hiess erst nach halb elf: wir hatten also einen ruhigen Tagesstart) wieder die vielen hundert Schulkinder. Immer wieder so viele so fr\u00f6hliche Kinder. Und eine Neugierde. Und ein Noch-staunen-k\u00f6nnen, wenn Hans-Ueli die Giessform \u00f6ffnet und der Letter innert Sekundenbruchteilen fertig erstarrt daliegt. Oder ich die Druckerpresse \u00f6ffne und das blitzschnell gedruckte Blatt herausnehme. Und dann die Begehrlichkeiten der Kleinen. Alle h\u00e4tten gerne eine Kobugi oder einen Druck. Aber so schnell k\u00f6nnen wir halt doch nicht produzieren, dass es f\u00fcr alle reichen w\u00fcrde. Gestern kam eine Gruppe dann auf die Idee, sie k\u00f6nnten ihre zuvor am Museumsshop erstandenen Kleinigkeiten (wie das Jikji-Buch als 3&#215;4-cm-Bastelsatz) mit einer Letter tauschen. Doch irgendwann hatten wir genug Jikji-B\u00fcchlein und haben auch das stoppen m\u00fcssen. Ein Junge ist dann aus seiner Klasse ausgeb\u00fcxt und noch etwa 5 mal an den Stand zur\u00fcckgeeilt, bis ihn die Lehrerin mit einer Trillerpfeife (ein wichtiges und wirksames Instrument der Koreanischen P\u00e4dagogik) zur\u00fcckpfiff. Armer Junge. Ich sagte unserem \u00dcbersetzer nur: &#8222;Sometimes life is hard&#8220; Er nickte nur und wiederholte den Satz den halben Tag lang.<\/p>\n<p>So nebenbei erfahren wir sehr viel und sehr direkt \u00fcber den koreanischen Alltag. Das ist f\u00fcr uns das gr\u00f6sste Geschenk. Zum Beispiel, dass alle Jungen ins Militar m\u00fcssen. 21 Monate. Es muss brutal streng zu und her gehen. Wer verweigert, wird als koreanischer Staatsb\u00fcrger ausgeb\u00fcrgert, ohne jegliche Papiere. Unser \u00dcbersetzer muss in 10 Tagen einr\u00fccken. Sometimes life is hard. Oder das eine Puztfrau etwa 3 Dollar die Stunde verdient. Also bei einer Normalanstellung gut 500 im Monat. Deshalb m\u00fcssen viele 80 Stunden die Woche arbeiten. Ein (in Ziffern: 1) Riesenapfel auf dem Grossmarkt kostet 5000 Won, also etwa 4 Dollar. Oder dass sich die Jugendlichen fur ihren Konsumrausch bis \u00fcber beide Ohren verschulden, in Gr\u00f6ssenordnungen, die sie nie im Leben mehr zur\u00fcckzahlen konnen. Samsung hat zum Beispiel eine eigene Samsung-Bank. Ob da eine n\u00e4chste Finanzblasen-Zerplatzung vorprogrammiert ist ?<\/p>\n<p>Und dann standen pl\u00f6tzlich vier gediegen gekleidete Damen und Herren in der Werkstatt. Sie stellten sich als die Jikji-Botschafter in den USA und in Frankreich heraus. Die Koreaner tun alles, damit sie ihr \u00e4ltestes datiertes Buch zur\u00fcckerhalten.<\/p>\n<p>Und dann hiess es pl\u00f6tzlich, KBS komme am Nachmittag. Aber die waren doch gestern schon da, f\u00fcr eine Ausstrahlung am Freitag-Morgen. KBS ist das staatliche Fernsehen. Bald wurde klar, dass die f\u00fcr das Abendprogramm eine Direkt\u00fcbertragung von etwa 5 Minuten planen. Es kam der Chefredaktor fur ein 2st\u00fcndiges Vorgespr\u00e4ch mit Chin Im, dann hiess es pl\u00f6tzlich, sie kamen schon um vier Uhr, dann, sie wollten jetzt doch Giessen und Buchbinden und kein Drucken. Ich sprang und bereitete in 10 Minuten ein neues Buch zum Heften vor. Dann hiess es pl\u00f6tzlich, sie k\u00e4men erst um halb 5 f\u00fcr die Probedurchl\u00e4ufe. Schliesslich will auch eine Live-Sendung aufs beste geprobt sein. Dann gab es am Schmelzofen einen Knall und das Gas aus der eh schon fast leeren Gasflasche war definitiv alle. Hans-Ueli versuchte mit dem \u00dcbersetzer blitzschnell im Museum einen Ersatz zu kriegen. Nur, koreanische Blitze blitzen etwas langsamer, der uns nicht mehr so sympatisch gesonnene Kurator telefonierte einfach dem n\u00e4chsten Untergebenen. In der Zwischenzeit begann das Blei im Tiegel zu erstarren. Und das Fernsehteam rollte schon die Kabel aus. Und unser \u00dcbersetzer wurde langsam nerv\u00f6s. Mit 20 das erste Mal am Staatsfernsehen und dann noch life. Hans-Ueli konnte in der Zwischenzeit an einer der vielen Strassenk\u00fcchen eine neue Gasflasche leihen. Die vom Museum kam \u00fcbrigens erst abends, eine halbe Stunde, nachdem das Fernsehen schon wieder weg war. Und dann stand pl\u00f6tzlich der Moderator auf dem Platz. Eine aufgedonnerte Ulknudel mit schwarzer L\u00f6ckleinfrisur mit einem unkonzentrierten Temperament, wie wenn er 20 Redbulls und 34 doppelte Espressi gehabt h\u00e4tte. Und dann Probe so, und dann wieder anders, und dann doch Buchbinderei und kein Drucken, aber 2 Fragen, die zum Buchbinden null Bezug hatten, und dann pl\u00f6tzlich ich Frage 1 statt wie abgemacht Hans-Ueli Frage 1, und dann wollte er selber an der Presse drucken. Und alles selbstvert\u00fcrlich auf Koreanisch, auch die Fragen an uns. Und wenn er dann in der Sendung wieder alles auf den Kopf stellt ? Und dann kamen noch eine Horde Kleinkinder, die irgendetwas vorbereitetes spontan antworten mussten. Und am Ende in die Kamera schreiben: Maani manii. Kommt alle schnell her.<\/p>\n<p>Und dann ging&#8217;s unvermittelt los. Der Moderator knallte fast vor Energie. Und wirklich, statt zu Hans-Ueli zu gehen und die Frage 1 kommt er zu mir an die Presse und fragt auf Koreanisch, ob er da selber drucken d\u00fcrfe. Ich ganz kuhl auf Schwyzert\u00fc\u00fctsch: Ja gern. Worauf er fast sein Mikrofon am Pressenbengel zerquetschte, so gut wollte er drucken. Und dann zu Hans-Ueli, da die richtige Frage. Der \u00dcbersetzer musste sich kurz vordrangen, dass das nicht vergessen ging. Und dann war&#8217;s schon vorbei. Alles geklappt. Die Kinder wie verr\u00fcckt Maani manii gebr\u00fcllt. Abmoderation. Einige Millionen Koreaner haben uns gesehen. Und unseren \u00dcbersetzer. Und seine Mutter hat sogleich angerufen, er sei super gewesen. Super. Heute hatte er die Sekundensequenzen, wo er zu sehen ist, schon auf seinem Samsung aufgeladen. M\u00f6gen wir ihm g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Nachtessen (vom Fernsehen grossz\u00fcgig eingeladen) erf\u00fcllte sich einer meiner Reisewunsche. Mit Chin Im, die neue Socken brauchte, fuhren wir zum gr\u00f6ssten gedeckten Markt von Cheongju, kurz vor Ladenschluss. Und konnten nur so staunen. Wir lassen daf\u00fcr unten einige Fotos sprechen. Und berichten noch kurz, dass sich ein weiterer Shopping-Wunsch erf\u00fcllte: eine koreanische Grillpfanne f\u00fcr auf den Tisch. Muss ja nicht undingt Schweinebauch sein. Zwar gab es die metallenen nur in beschichtetem Spritzguss, was wir nicht wollten, und nicht im traditionellen Gusseisen. Daf\u00fcr fanden wir im zweiten Anlauf eine traditionelle Steinpfanne. Mit Metallband gefasst. Wundersch\u00f6n. Und obendrauf noch eines dieser fantastischen grossen K\u00fcchenmesser aus rostendem Stahl, die man aber zu brutalster Sch\u00e4rfe abziehen kann. Gerade richtig, um Adlerfarnsprossen sch\u00f6n klein zu schneiden. Mariniert \u00fcbrigens eine Delikatesse.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224000.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224000.jpg\" alt=\"20120921-224000.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224049.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224049.jpg\" alt=\"20120921-224049.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224105.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224105.jpg\" alt=\"20120921-224105.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224208.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224208.jpg\" alt=\"20120921-224208.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224307.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224307.jpg\" alt=\"20120921-224307.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224330.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224330.jpg\" alt=\"20120921-224330.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-2244001.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-2244001.jpg\" alt=\"20120921-224400.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224456.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224456.jpg\" alt=\"20120921-224456.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224515.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224515.jpg\" alt=\"20120921-224515.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224535.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224535.jpg\" alt=\"20120921-224535.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224631.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224631.jpg\" alt=\"20120921-224631.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224653.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224653.jpg\" alt=\"20120921-224653.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224708.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224708.jpg\" alt=\"20120921-224708.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224731.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120921-224731.jpg\" alt=\"20120921-224731.jpg\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte es heute ein ruhiger Tag sein. 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