{"id":334,"date":"2012-09-19T15:39:03","date_gmt":"2012-09-19T13:39:03","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=334"},"modified":"2013-04-10T19:36:54","modified_gmt":"2013-04-10T17:36:54","slug":"18-september-2012-stress-stress-stress-peng","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=334","title":{"rendered":"18. September 2012: Stress, Stress, Stress, Peng"},"content":{"rendered":"<p>Heute geht das Blogschreiben viel leichter: Wir haben rausgefunden, wie wir auf der Koreanischen Tastatur des Hotelcomputers wenigstens den Text schreiben k\u00f6nnen (leider ohne deutsche Umlaute, das werden wir sp\u00e4ter noch \u00e4ndern. <\/p>\n<p>Der Tag heute war die v\u00f6llige Steigerung jeglicher Gef\u00fchls-Wechseb\u00e4dern. Der Taifun ist also schneller weggezogen und weiter \u00f6stlich als vorausgesagt. In unserer Stadt hat er, was wir sehen k\u00f6nnen, kaum Sch\u00e4den hinterlassen. Und das Wetter klart schneller auf, so dass pl\u00f6tzlich beschlossen wurde, die Zeltstadt vor der Kulturhalle und um den Tempel neben dem Museum schon heute aufzubauen. Wir also statt Tempelf\u00fchrung nichts wie hin. Als wir da ankamen, waren Handwerker und Schreiner und Maler daran, reihenweise Zelte aufzustellen, mit koreanischen Ziegeld\u00e4chlein als Vorbau. Nur der europ\u00e4ische Ort bekam einen griechischen S\u00e4ulenarchitrav vorgebaut.<\/p>\n<p>Darauf konnten wir endlich auch unsere Kiste im Museum anschauen. Das liess uns schlimmes f\u00fcrchten: es fehlten die Schrauben der Hauptverstrebung, die Kiste dadurch verzogen, der Deckel nicht mehr recht zugeschraubt, und vor allem lag unser Stopf- und Polstermaterial neben der Kiste.<\/p>\n<p>Dann kamen zum Gl\u00fcck unser junger \u00dcbersetzer, der perfekt Englisch spricht und sehr praktisch und westlich einfach veranlagt zu sein scheint. Er nennt sich Rayan und verschweigt seinen koreanischen Namen. Auch will er nach New Zeeland oder Oesterreich auswandern. Seine Hilfe ein Segen. Und dann kam Herr Guggenheimer. Er ist Pr\u00e4sident von PEN Schweiz und weilte auch gerade in Korea anl\u00e4sslich des Weltkongresses von PEN International. Und er wollte uns kennenlernen. Und wenn man daf\u00fcr in der Schweiz keine Zeit hat, dann halt in Cheongju. Die Begegnung und seine Fragen und der gedankliche Austausch waren hocherspriesslich und liessen uns die Sorgen, dass wir heute eigentlich unsere Werkstatt quasi aus dem Boden stampfen sollten, unter leicht erschwerten Verh\u00e4ltnissen, etwas vergessen.<\/p>\n<p>Kurz vor Mittag waren die Zelte dann soweit fertig und es brauchte fast eine Stunde verzweifelte \u00dcbersetzung (unser Dolmetscher war grad weg), bis wir anmelden konnten, was unser Tagesziel sei (n\u00e4mlich die Box vom Museum ins Zelt vor dem Tempel hoch und noch die bestellte Glasvitrine f\u00fcr die Prachtseinb\u00e4nde vor Ort zu haben). Dann wurden wir in den verfr\u00fchten Mittag abkommandiert. Als wir zur\u00fcckkamen, war weiteres Warten angesagt, bis dann ein Riesengabelstapler anzutuckern kam, der aber so gross war, dass er gar nicht auf die Zugangswege zur Seitent\u00fcre, wo unsere Box lagerte, passte. Er also zur\u00fcck, wir weiter warten. Dann kam ein kleinerer und wir zogen in halbfeierlicher Prozession zum Zelt hoch. Herr Guggenheimer meinte, fast so feierlich wie damals das Volk Israel mit der Bundeslade. Das \u00d6ffnen ging dann einigermassen schnell und wir sahen noch schneller, dass der koreanische Zoll die ganze Kiste total gefilzt hatte. Jeder Beutel mit Stopfmaterial war aufgeschlitzt und der Inhalt einfach in die Kiste gekippt. Besch\u00e4digt war aber nichts, und fehlen taten nur meine weissen Putzlappen f\u00fcr die Reinigung der Presse. Das erkl\u00e4rte auch die seltsame Zoll-Frage vor einer Woche &#8211; die hielten die zerschlissenen Leintuecher etc. f\u00fcr irgendwelche Designerklamotten oder Priestergew\u00e4nder oder weiss der Geier was. Nun, mit dem Verlust k\u00f6nnen wir leben. Das Museum kommt die Zoll-Aktion auf einen 4stelligen Betrag zu stehen. <\/p>\n<p>Dann kam die Gasflasche f\u00fcr den Bleischmelzofen. Sie war aber fast leer . . . Und hatte ein koreanisches 3\/4 Zoll Innengewinde. Und kein Druckreduzierventil. Nicht mit unserem Anschluss kompatibel. Aber Hans-Ueli hat wohlweislich Brieden und Messer und Schraubenzieher mitgenommen. Wir packten also aus, was ging und die Werkstatt nimmt langsam Form an.<\/p>\n<p>Dann war es 16 Uhr, ab zur offiziellen Museumser\u00f6ffnung.  Oberb\u00fcrgermeister,  R\u00f6sslispiel des Museums, Blumendeko f\u00fcr alle &#8211; ausser f\u00fcr uns, Banderole durchschneiden (alle mit weissen Handschuhen), Fototermin auf der Treppe, dann ab zur Ausstellungsbesichtigung. Aber wir wollten doch noch offiziell, wie abgemacht, unser Bergkristall-Ehrenexemplar des Jikji dem Museum \u00fcbergeben. Und offiziell begr\u00fcsst wie s\u00e4mtliche alle andern (inkl. alle koreanischen Handwerker) wurden die Suisas auch nicht. Wir blieben aus Protest vor dem Museum und verlangten eine Erkl\u00e4rung. Die folgenden Szenen von Gesichtswahrung verstanden wir nicht alle. Aber die wechselnden Gesichtsfarben rot und weiss erinnerten uns pl\u00f6tzlich an unsere Landesfahne. Man weiss hier einfach nie, was Fehler und was Absicht ist. Als Wessi bleibst du da aussen vor. Es wurde uns aber verheissen, wir d\u00fcrften das Buch dann irgrndwann morgen an unserem Stand \u00fcbergeben. Was wir verweigerten. So leicht l\u00e4sst sich Parnassia nicht als Hampelmannschaft abservieren. Schliesslich war der Kompromiss, dass wir das vers\u00e4umte beim anschliessenden Apero nachholen durften. Aber erst, als die Mikrophone schon abgeschaltet und das Fernsehen weg war. Daf\u00fcr direkt dem kurz anwesenden, sehr kranken Museumsdirektor h\u00f6chstpers\u00f6nlich, der sich sehr ger\u00fchrt zeigte und dem Buch einen Ehrenplatz versprach. Nun das Buffet war dann ausserst gediegen und reichlich und diente als Abendessenersatz. \u00dcbrigens ist des den Direktorinnen von Gutenbergmuseum und Plantin-Moretus-Museum noch viel schlimmer ergangen. Die hatten n\u00e4mlich die S\u00e4cke mit den offiziellen Geschenken einem der Museumskuratoren anvertraut und der ruckte die erst raus, als gar niemand mehr da war. Oberpeinlich.<\/p>\n<p>Die kleinere H\u00e4lfte der Gruppe wollte dann ins Hotel, aber die Mehrheit entschied sich fur das offizielle Er\u00f6ffnungsabendprogramm. Das fand in der riesigen Kulturhalle statt und entpuppte sich als fast zweist\u00fcndiges sp\u00e4tromantisches Orchesterkonzert von Puccini bis Mussorgsky. Musik auf allerh\u00f6chsten Niveau, von einer orchestralen Farbpallette und Nuanciertheit, dass einem alle paar Augenblicke schauderte, so sch\u00f6n. Da muss Lucerne Festival mit Abadao (k\u00fcrzlich geh\u00f6rt) aufpassen, bei dieser asiatischen Qualit\u00e4t. \u00dcbrigens sassen wir in der Ehrengastreihe, fast neben dem Oberb\u00fcrgermeister, der \u00fcbrigens im traditionellen koreanischen Festgewand erschien. Nachher wurden wir zwei Parnasser blitzschnell nach draussen bef\u00f6rdert, mit weissen Glacehandschuhen ausger\u00fcstet und als einzige Europ\u00e4er in die Reihe der Ehrengaste gestellt, vor etwas, das wie ein Atombombensprengknopf aussah. Auf ein nicht verstandenes Kommando musste man da drucken und entz\u00fcndrte damit zwei Dinge: das Festfeuerwerk, wunderpr\u00e4chtig. Und 1377 Laternen, die um den Platz und zum Museum hin den ganzen Tag \u00fcber aufgeh\u00e4ngt wurden. 1377 f\u00fcr das Jahr, in dem das Jikji-Buch hier gedruckt wurde. Auf die Laternen schrieben \u00fcbrigens die Stadtbewohner ihre W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Die Stadt Gheongju l\u00e4sst sich das 5t\u00e4gige Festival \u00fcbrigens \u00fcber 500&#8217;000&#8217;000 Won kosten. Fast eine halbe Million Dollar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223036.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223036.jpg\" alt=\"20120919-223036.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223058.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223058.jpg\" alt=\"20120919-223058.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223124.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223124.jpg\" alt=\"20120919-223124.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223155.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223155.jpg\" alt=\"20120919-223155.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223214.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223214.jpg\" alt=\"20120919-223214.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223230.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223230.jpg\" alt=\"20120919-223230.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223248.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223248.jpg\" alt=\"20120919-223248.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223310.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223310.jpg\" alt=\"20120919-223310.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223328.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223328.jpg\" alt=\"20120919-223328.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223347.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223347.jpg\" alt=\"20120919-223347.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223403.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223403.jpg\" alt=\"20120919-223403.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223415.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223415.jpg\" alt=\"20120919-223415.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223438.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223438.jpg\" alt=\"20120919-223438.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223455.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223455.jpg\" alt=\"20120919-223455.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223539.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223539.jpg\" alt=\"20120919-223539.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223556.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120919-223556.jpg\" alt=\"20120919-223556.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute geht das Blogschreiben viel leichter: Wir haben rausgefunden, wie wir auf der Koreanischen Tastatur des Hotelcomputers wenigstens den Text schreiben k\u00f6nnen (leider ohne deutsche Umlaute, das werden wir sp\u00e4ter noch \u00e4ndern. 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