{"id":331,"date":"2012-09-17T10:24:15","date_gmt":"2012-09-17T08:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=331"},"modified":"2013-04-10T19:37:08","modified_gmt":"2013-04-10T17:37:08","slug":"17-september-2012-es-kommt-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=331","title":{"rendered":"17. September 2012: Es kommt anders"},"content":{"rendered":"<p>Der Taifun ist weiter das beherrschende Thema. Heute w\u00e4re vorgesehen gewesen, Meister An in seiner Werkstatt zu besuchen. Er ist Meister f\u00fcr das traditionelle handgesch\u00f6pfte Maulbeerbaumpapier und wohnt knapp 1 1\/2 Autostunden vor der Stadt. Da die Strasse dorthin leider durch die H\u00fcgel f\u00fchrt und erst noch teilweise Naturstrasse ist, weigerten sich alle angefragten, mit uns dorthin zu fahren. Statt dessen schlossen wir uns den Museumsdirektoren an, die zum Internationalen Wissenschaftlichen Kolloquium im Early Printing Museum fuhren. Von 10 bis 12 sassen wir also im Auditorium inmitten hunderter koreanischer Studenten und liessen die ritualisierte Litrgie zelebrierter Wissenschaftlichkeit \u00fcber uns ergehen. Der begr\u00fcssende Oberb\u00fcrgermeister entschuldigte sich gleich wieder, auch f\u00fcrs Nachtessen, zu dem er einlud. Er musste den Taifun-Krisenstab leiten gehen. Die folgenden Referate zum Thema &#8218;Zur Rechtfertigung gedruckter Medien im Zeitalter der Digitalen Medien&#8216; zeigten vor allem die komplete Unf\u00e4higkeit der Referenten zu einer lernprozessanregender Kommunikation. Einer schlug dem Fass den Boden aus, als er sein englisches Skript Abschnitt f\u00fcr Abschnitt projezierte und eine halbe Stunde lang mit unverst\u00e4ndlich m\u00fcselnder Stimme je die ersten etwa 1 1\/2 Zeilen vorlas und dann nahtlos zum n\u00e4chsten Abschnitt sprang.  Der Inhalt war zum Gl\u00fcck belanglose Allgemeinpl\u00e4tze. Statt ganz wegzud\u00e4mmern wie das halbe Auditorium nutzte ich die Zeit zum Blog-Schreiben, also digitale Kommunikation im Zeitalter immer noch von Hand gedruckter B\u00fccher.<br \/>\nDer einzige Wert solcher Veranstaltungen ist f\u00fcr uns der Kontakt zu wichtigen Personen wie zum Beispiel der neuen Direktorin des Gutenberg Museums Mainz. Unsere gezeigten Drucke, B\u00fccher und Bucheinb\u00e4nde erfuhren sch\u00f6ne Anerkennung.<br \/>\nZum Mittagessen sollte es zu Fuss gehen, die Stadt fast menschenleer, daf\u00fcr dichtester Regen und B\u00f6en. Doch der 400km-Taifun liess zum Gl\u00fcck noch auf sich warten, im Gegensatz zur Nachbarstadt, die b\u00f6se \u00fcberschwemmt wurde, wie das teilweise wieder funktionierende Fernsehen zeigte. Nach dem Mittagessen in einer Art Grossadtkantine (wobei ich gerne die f\u00fcr das koreanische Publikum vorgesehenen T\u00f6pfe dem f\u00fcr uns vorgesehenen Schnitzel vorzog) hat unsere Koordinatorin Chin Im organisiert, dass wir den koreanischen Meisterbuchbinder Hun besuchen durften. Es folgten zwei gl\u00fcckliche Stunden in einer fremden und doch so nahen Welt. Staunen \u00fcber den Umgang mit dem traditionellen hauchd\u00fcnnen Papier, das oft in vielen Schichten verleimt wird. Staunen \u00fcber den St\u00e4rkeleim, der 10 Jahre in Tont\u00f6pfen im Hof des Meisters faulen muss , damit er im Papier keine Reaktionen anregt und die vielen Insekten nicht zum Papierfrass anregt. Staunen, dass einer erst nach 25 Jahren \u00dcben Meister wird (und erst, wenn er 10j\u00e4hrigen Leim hat). Staunen \u00fcber hochkomplexe halbrunde Buchbindeformen. Staunen, wie man mit Bohnenst\u00e4rkeleim Bucheinbandpapier wasserfest hinkriegt (im Taifunwetter nicht ganz unwichtig), die erst noch mit einfachen Holzdurchrieben ab geschnitzten, familienfestgelegten Musterplatten verziehrt wurden. Und staunen, dass der offizielle Fototermit vor einem blumenbemalten langen Paravent stattfand, der zuvor im K\u00f6nigspalast statt und den Meister Hun restaurierte. Und staunen, dass auch hier das traditionelle Handwerk auf dem R\u00fcckzug ist und nur noch dank Buchrestaurationen aus buddhistischen Tempeln und Regierungsunterst\u00fctzung \u00fcberleben kann. Ausgang ungewiss. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172027.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172027.jpg\" alt=\"20120917-172027.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172038.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172038.jpg\" alt=\"20120917-172038.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172101.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172101.jpg\" alt=\"20120917-172101.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172119.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172119.jpg\" alt=\"20120917-172119.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172136.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172136.jpg\" alt=\"20120917-172136.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172152.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172152.jpg\" alt=\"20120917-172152.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172231.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172231.jpg\" alt=\"20120917-172231.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172249.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172249.jpg\" alt=\"20120917-172249.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172307.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120917-172307.jpg\" alt=\"20120917-172307.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Taifun ist weiter das beherrschende Thema. 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