{"id":290,"date":"2012-09-16T11:15:57","date_gmt":"2012-09-16T09:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/beathis.ch\/parnassia\/?p=290"},"modified":"2013-04-10T19:37:53","modified_gmt":"2013-04-10T17:37:53","slug":"14-september-2012-tag-der-rekorde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beathis.ch\/parnassia\/?p=290","title":{"rendered":"15. September 2012: Tag der Rekorde . . ."},"content":{"rendered":"<p>Ihr lieben werdet das erst irgendwann lesen k\u00f6nnen, denn unser \u00dcbernachtungsparadies liegt ausserhalb der modernen koreanischen Welt, eben auch ohne WiFi.<br \/>\nHeute sollte sich ein &#8218;Nebenziel&#8216; unserer Reise erf\u00fcllen: der  Besuch des Hae-In-Sa-Tempels, 802 gegr\u00fcndet und einer der einflussreicheren Tempel des koreanischen Buddhismus. Er liegt ziemlich abgelegen in einem steilen, dicht bewaldeten Gebirge, ziemlich ab vom Schuss &#8211; vielleicht etwa so wie U.L.Frau im Finstern Wald zu Einsiedeln vor 1200 Jahren. Man hat uns abgeraten, die etwa 20min\u00fctige Busreise mit einmal umsteigen allein dorthin zu unternehmen und vor allem verriet uns niemand, wo man h\u00e4tte umsteigen sollen. Wir waren also gezwungen, das sehr verbreitete Taxi-Wesen in Anspruch zu nehmen. Schon hielt der erste an, ich radebrechte &#8218;Haeinsa&#8216; (man spricht das durchaus anders aus als geschrieben),der Taxifahrer verstand, streckte mir mit beiden H\u00e4nden zweimal einige Finger entgegen, was 66&#8217;000 Won hiess. Schon auf unserer Korea-Karte hatten wir n\u00e4mlich unsere Zweifel, dass das mit den 20 Minuten Busfahrt kaum stimmen konnte. 66&#8217;000 W (etwa 55 Fr.) ist zwar nicht alle Welt, aber unsere Bargeldreserve schwand und schwand, weil man lange nicht \u00fcberall mit Karte zahlen kann. Wir stiegen also ein &#8211; zur\u00fcck konnten wir ja dann immer noch mit dem billigeren Bus. Der Fahrer sauste los, schnell, sehr schnell, blitzschnell, brutal blitzschnell. Und fuhr uns in richtiger Richtung, soviel konnten wir auf der Karte verfolgen. Nach einer knappen Stunde waren wir also in einem wildromantischen Tal angelangt und sahen schon \u00fcbrall in der Landschaft verstreut Tempel.  Eine solche Anlage aus \u00fcber 1200 Jahren Geschichte besteht aus einem kaum \u00fcberblickbaren Geflecht von Haupttempel und Nebentempel und Abspaltungen und Gr\u00fcndungen von Sch\u00fclern und Einsiedeleien und Erinnerungsm\u00e4lern und und und. Sehr anders als ein christliches Kloster. Wir haben euch die \u00dcbersichtskarte fotografiert. Sehr viele fr\u00f6hlich gestimmte Menschen, vor allem viele Kinder gingen den 1 Km langen Weg den Walh hoch, vorbei an vielen St\u00e4nden mit getrocknete Pilzen und Kr\u00e4utern und gr\u00fcnen Pulvern, alles Bestandteile der traditionellen Heil-Ern\u00e4hrung. Ein Weg stieg dann hoch zum Tempeltor mit den 4 Himmelsw\u00e4chtern, die das B\u00f6se vom Tempel fernhalten sollten. Dann eine steile Granittreppe hoch durch das Nirwanator und wir standen im ersten Innenhof mit Brunnen zur Reinigung, &#8218;Glockenturm&#8216; mit Gong, drei Meter hoher Bronzeglocke und Trommel. Die M\u00f6nche gehen mit der Zeit: wer entdeckt auf der Foto die digitale Uhr ? Auf dem Platz war ein Vierfachlabyrint in Form einer Swastika (das was die Nazis als Hackenkreuz missbrauchten) angelegt, durch das Gl\u00e4ubige and\u00e4chtig betend durchschritten und Kinder weniger and\u00e4chtig rannten. Doch wir wollten h\u00f6her hinaus: nach der n\u00e4chsten Treppe kam die Buddha-Halle, quasi die Kirche mit 5 Buddha-Statuen, wo Frauen opferten und Buddha verehrten. Fotografieren zum Gl\u00fcck verboten. Doch wir wollten noch h\u00f6her hinaus: zu unserem Ziel, der Tripitaca Koreana. Das ist die gr\u00f6sste verbindliche Textsammlung des Buddhismus, 1011 begonnen. Die Texte wurden in Holzplatten geschnitzt und dann gedruckt. Um 1200 verbrannte alles w\u00e4hren der Mongoleneinf\u00e4lle. Auf k\u00f6nigliches Geheiss wurde das ganze von 1236 &#8211; 1251 ein zweites Mal geschaffen. Das ganze heisst: die 70 cm langen Holztafeln aus Bergkirsche (= ca. 14 Hektaren reiner Kirschenwald !) wurden 7 Jahre lang in Meerwasser und Wind vorbehandelt, damit sie f\u00e4ulnisresistent wurden. Dann wurden in den 16 Jahren 81&#8217;350 (!!!!!!!!! ) Tafeln auf beiden Seiten mit je ca. 444 chinesischen Zeichen behauen, gesamt \u00fcber 52 Millionen Zeichen. Wenn ein M\u00f6nch 5 Minuten pro Zeichen schnitzt, waren fast 100 M\u00f6nche 16 Jahre mit 8Stunden pro Tag am Schnitzen, ohne Freitage . . . Bis heute wurde kein Fehler entdeckt !<br \/>\nUnd diese Tafeln lagern hier im Tempel, seit 1398. Keine fehlt. Hoch streng bewacht, mit W\u00e4chtern, Kameras an allen Ecken. Rauchen verboten. Fotografieren verboten. Staunen erlaubt. Und noch einmal staunen. Und noch einmal. Zu was Menschen f\u00e4hig sind. Und ganz klein werden, wenn man stolz darauf war, auch schon ein 32-Seiten-Buch gesetzt und gedruckt zu haben.<br \/>\nDann wollten wir raus, \u00fcberw\u00e4ltigt von so viel ! Wir hatten n\u00e4mlich gesehen, dass ein Gipfel Songwongbang mit 4 km angegeben war. Das m\u00fcsste doch ein sch\u00f6ner Nachmittagsspaziergang geben, eine Stunde hoch, eine knappe zur\u00fcck, und dann noch ins Museum, wo man selber einen Handdruck machen k\u00f6nne. Wir zogen also los, einem lauschigen Bergbach entlang, W\u00e4lder mit Bambus im Unterholz, alles feucht-warm-w\u00fcchsig-wuchernd, und voller Pilze. Hans-Ueli meinte nur, jetzt sei er botanischer Analphabet und strahlte dann doch, als er kurz darauf eine Tanne und eine Japanl\u00e4rche entdeckte. Der Weg war steil und voller grosser Steine, ziemlich m\u00fchselig. Uns kamen immer mehr koreanische Wanderer in Hochgebirgsausr\u00fcstung entgegen, die meisten sahen ziemlich geschafft aus. Und wir m\u00fchten uns weiter, diese traumhafte Schlucht hoch. Irgendwann kam eine Tafel, wir h\u00e4tten 1,2 km von den 4 gemacht. ! ? !! Nach 5\/4 Stunden wurde der Wald etwas lichter und man sah Nebel \u00fcber sich und weit in der Ferne schemenhaft, wie ein japanisches Tuschbild, einen hohen Berg. Und immer mehr Koreaner kamen uns entgegen. Wenigstens konnten wir bis am Abend den koreanischen Gruss &#8218;anassjoo&#8216;. Es ging weiter \u00fcber Felsen, immer steiler, mit grossen Tritten. Ob Wanderst\u00f6cke nicht vielleicht doch gescheit gewesen w\u00e4ren ? Nach zwei Stunden langten wir auf einem Sattel an. Eine andere ganz fr\u00f6hliche Gruppe wartete da und eine der Frauen verteilte Bonbons. Selbstverst\u00e4ndlich streckte sie uns zwei, den ganzen Weg schon Staunen erregenden Bartlis auch welche hin. Ob der koreanische Berggeist wohl so ausschaut wie wir ? Kaum das Bonbon in unserem Mund, wuchtete eine Aromaberg-und Talfahrt los, irgend etwas zwischen Enzianschnaps und Appenzeller Bitter. Und setzte letzte Kr\u00e4fte f\u00fcr den felsigen Gipfelsturm frei. Wundersch\u00f6ner runder Granit, der Gipfel. Angeschrieben. 1430 Meter hoch. Wir sind in zweieinhalb Stunden \u00fcber 1000 Meter aufgestiegen. Und die 4 km waren wahrscheinlich Luftlinienkilometer und keine Distanzkilometer gewesen. Das Panorama h\u00e4tte, wie das Bild auf dem Gipfel zeigte, \u00fcberw\u00e4ltigend sein m\u00fcssen. H\u00e4tte. Wir steckten in dichtestem Nebel. Runter ging es dann flotter. Gerne h\u00e4tten wir eine der raren Bengalischen Bergkatzen, deretwegen der Berg Nationalpark war, gesehen, doch die wollten keine Berggeister sehen. Und das Museum war dann auch schon zu. Also kein Originaldruck. Training ins buddhistische Loslassen ? Der letzte Bus war auch schon losgelassen, ohne uns. Also ein Taxi und damit so weit, wie das verbliebene Geld noch reichte, nach Hapcheon. Da wollten wir an den Bankomaten einer Bank. Doch wir fanden keinen. Schliesslich riefen wir in mittlerer Verzweiflung Chin Im am. Sie wollte sofort eine digitale Notfall\u00fcberweisung machen, aber eben nach Samga zu unseren Gastgebern und nicht zu uns nach Hapcheon. Sie meinte, Bankomaten m\u00fcsse es \u00fcberall geben. Wir irrten weiter durch die Strassen, erfolglos. Dann versuchten wir&#8217;s am Busbahnhof, vielleicht mit Kartenzahlung noch ein Billet nach Samga zu kriegen. Schalter zu, kein Bus mehr. Schliesslich beobachtete Hans-Ueli einen Mann an einem Getr\u00e4nkeautomaten\u00e4hnlichen Plastikh\u00e4uslein, dass der unten Geld entnahm. Blitzschnell hin, tats\u00e4chlich Knopf &#8218;English&#8216;, erste Karte Misserfolg, zweite erfolgreich und um 100&#8217;000 Won reicher. Blitzschnell zum n\u00e4chsten Taxi und der blitzschnell mit uns nach Samga zur\u00fcck. Blitzschnell hiess: auf der 80er-Strecke mindestens 120; als er die Geschwindigkeitskontrolle der Polizei abgeh\u00e4ngt hatte ( da hat er kurz gedrosselt) flogen wir mit 140 kmh ! durchs Land. Neuer Taxirekord f\u00fcr uns, denn schliesslich ist Zeit Geld, auch in Korea. Denn die Taxometerz\u00e4hler rasen in Samsungland mit 10.-Sekunden. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-180930.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-180930.jpg\" alt=\"20120916-180930.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181000.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181000.jpg\" alt=\"20120916-181000.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181026.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181026.jpg\" alt=\"20120916-181026.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181058.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181058.jpg\" alt=\"20120916-181058.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181127.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181127.jpg\" alt=\"20120916-181127.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181144.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181144.jpg\" alt=\"20120916-181144.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181209.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181209.jpg\" alt=\"20120916-181209.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181230.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181230.jpg\" alt=\"20120916-181230.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181254.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181254.jpg\" alt=\"20120916-181254.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181412.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181412.jpg\" alt=\"20120916-181412.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181435.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181435.jpg\" alt=\"20120916-181435.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181457.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181457.jpg\" alt=\"20120916-181457.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181513.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181513.jpg\" alt=\"20120916-181513.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181535.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181535.jpg\" alt=\"20120916-181535.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181548.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/beathis.ch\/parnassia\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/20120916-181548.jpg\" alt=\"20120916-181548.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr lieben werdet das erst irgendwann lesen k\u00f6nnen, denn unser \u00dcbernachtungsparadies liegt ausserhalb der modernen koreanischen Welt, eben auch ohne WiFi. 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